Warum deine Produkte absichtlich kaputt gehen
Kennst du das Gefühl? Du kaufst ein neues Gerät, es funktioniert ein paar Jahre tadellos – und dann, kurz nach Ablauf der Garantie, gibt es den Geist auf. Zufall? Nicht immer.
Was ist geplante Obsoleszenz?
Geplante Obsoleszenz bedeutet, dass Hersteller Produkte absichtlich so konstruieren, dass sie nach einer bestimmten Zeit versagen oder veralten. Das Ziel ist simpel: Du sollst schneller ein neues Produkt kaufen.
Es gibt verschiedene Formen:
- Technische Obsoleszenz – Bauteile werden so dimensioniert, dass sie nach einer bestimmten Nutzungsdauer versagen. Ein bekanntes Beispiel: der Akku eines Smartphones, der nach 500 Ladezyklen deutlich an Kapazität verliert und nicht austauschbar ist.
- Software-Obsoleszenz – Hersteller stellen Software-Updates ein, sodass ältere Geräte langsamer werden oder sicherheitskritische Lücken entstehen.
- Ästhetische Obsoleszenz – Durch ständig wechselnde Designs und Modetrends wird das eigentlich funktionierende Produkt zum "alten Modell" degradiert.
Ein Beispiel aus der Praxis: Der RG28
Der RG28 ist ein Küchengerät aus der DDR – produziert in den 1970er Jahren. Heute, mehr als 50 Jahre später, läuft er noch in tausenden Haushalten. Ersatzteile gibt es noch immer, weil das Gerät reparierbar konstruiert wurde.
Das Gegenteil davon ist der moderne Standmixer für 29,99 Euro, dessen Motor nach 18 Monaten brennt und für den es keine Ersatzteile gibt – weil der Hersteller das so geplant hat.
Der Unterschied ist kein Zufall. Er ist eine Entscheidung.
Was kostet uns das wirklich?
Geplante Obsoleszenz hat einen Preis – und den zahlen wir alle:
- Finanziell: Ein Haushalt gibt laut Schätzungen mehrere hundert Euro pro Jahr für vorzeitige Ersatzkäufe aus, die bei langlebigen Produkten nicht nötig wären.
- Ökologisch: Elektroschrott ist die am schnellsten wachsende Abfallkategorie weltweit. 2022 wurden laut UN über 53 Millionen Tonnen Elektroschrott produziert.
- Zeitlich: Jedes kaputte Gerät kostet Zeit – für Recherche, Kauf, Einrichtung und Entsorgung.
Was können wir dagegen tun?
Die gute Nachricht: Du bist nicht machtlos.
Als Einzelperson:
- Kauf gezielt Produkte mit langer Garantiezeit und Ersatzteilversorgung
- Nutze Plattformen wie iFixit um Reparierbarkeit zu prüfen bevor du kaufst
- Wähle Hersteller die Reparierbarkeit als Verkaufsargument nennen
Als Gemeinschaft:
- Hier setzt die Konsumgewerkschaft an. Wir organisieren Verbraucher als kollektive Kraft und fordern von Herstellern das, was wir als Einzelne nie durchsetzen könnten: langlebige, reparierbare Produkte zu fairen Preisen.
Die Rechtslage in Deutschland
Seit 2022 gilt in der EU eine erweiterte Gewährleistungspflicht von zwei Jahren. Für digitale Produkte und Waren mit digitalen Elementen gelten besondere Regeln. Dennoch: Zwei Jahre sind bei einem Produkt das 10 oder 20 Jahre halten könnte, nur ein schwacher Schutz.
Die Konsumgewerkschaft fordert deshalb eine gesetzliche Mindestgarantie von 10 Jahren auf alle langlebigen Gebrauchsgüter – und eine verpflichtende Ersatzteilversorgung für mindestens 15 Jahre nach Produktionsende.
Fazit
Geplante Obsoleszenz ist kein Verschwörungstheorie – sie ist ein dokumentiertes Geschäftsmodell. Aber es ist kein Naturgesetz. Produkte können anders gebaut werden. Der RG28 beweist es.
Die Frage ist nicht ob es möglich ist. Die Frage ist ob wir als Verbraucher gemeinsam laut genug sind um es einzufordern.
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